Blinden- und Sehbehindertenverein Ratingen e.V.

Rehabilitation

Das Sehvermögen zu verlieren oder ohne Augenlicht geboren zu werden, bedeutet, mit einer der schwersten Behinderungen leben zu müssen. Das ein solches Leben trotzdem inhaltsvoll und lebenswert ist, beweisen immer wieder die von diesem Schicksal betroffenen Personen.

Blind oder sehbehindert zu sein, heißt heutzutage nicht mehr, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu bleiben. Schon im Vorschulalter beginnt eine intensive Frühförderung durch die Blindenschulen. Daran schließt sich die Schulausbildung an, die, je nach Begabung, bis zur mittleren Reife und zum Abitur führen kann. Eine gründliche Ausbildung für einen blindenspezifischen Beruf ist selbstverständlich, genau so wie auch der Weg in ein Universitätsstudium bei entsprechender Eignung.

Für berufsfähige Späterblindete stehen moderne und gut ausgestattete Berufsförderungs Werke zur Verfügung. Dort wird eine umfassende Ausbildung für einen, den Blinden oder Sehbehinderten offenstehenden Beruf ermöglicht. Viele der in Frage kommenden Arbeitsplätze können von den Betroffenen aber nur ausgefüllt werden, wenn teuere elektronische Hilfsmittel verfügbar sind, die all das, was Sehende mit dem Auge wahrnehmen, für den Blinden tast- und hörbar und für den Sehbehinderten mehrfach vergrößert darstellen.

Kostenträger für Arbeitsplatzausstattungen bzw. für die erforderlichen elektronischen Geräte sind die Integrationsämter. Die Finanzierung erfolgt aus der Ausgleichsabgabe, die von den Arbeitgebern für nicht besetzte, gesetzlich vorgeschriebene Behindertenarbeitsplätze gezahlt werden muss. Vereinzelt gibt es auch Arbeitgeber, die bereit sind, selbst die Kosten zu tragen.

Für Späterblindete, die nicht mehr berufsfähig sind, ist die mögliche Rehabilitation (Wiedereingliederung in die Gesellschaft) weitgehend von der eigenen Bereitschaft abhängig. Die Fähigkeiten, die erforderlich sind, um als Blinder oder Sehbehinderter eine optimale Selbstständigkeit zu erlangen, müssen manchmal recht mühsam erlernt werden. Durch gesetzliche Neuregelung steht auch späterblindeten eine blindentechnische Grundausbildung zu. Aus diesem Grunde ist hier die tätige Selbsthilfe gefragt. In solchen Fällen setzt dann die Unterstützung durch die örtlichen Blindenvereine mit Rat und Tat ein. Der Blindenverein Ratingen steht den Betroffenen gern zur Seite. Lesen und Schreiben müssen wieder erlernt werden.

Verliert man sein Sehvermögen, fehlen einige wertvolle Fähigkeiten, die im bisherigen Leben ausgeübt wurden. So wird den betroffenen Personen hautnah und schmerzlich bewusst, wie lebensnotwendig zum Beispiel die Fertigkeiten sind, Lesen und Schreiben zu können.

Eine der wohl wertvollsten Hilfen für Blinde wurde von Louis Braille erdacht. Er erfand die Blindenschrift, bestehend aus 6 kleinen Punkten, durch die in unterschiedlicher Anordnung die Buchstaben, Zahlen und Zeichen unseres Schriftsystems dargestellt werden. Diese Punktschrift wird mit speziellen Schreibmaschinen geschrieben oder mit einem Stichelstift von Hand auf Punktschrifttafeln in das Papier geprägt und kann mit den Fingern ertastet und gelesen werden.

Bei Früherblindeten ist das Erlernen der Punktschrift im Rahmen der schulischen Ausbildung genau so selbstverständlich wie für sehende Kinder, die das Lesen und Schreiben lernen. Berufsfähige Späterblindete werden während der Umschulung mit dieser Schrift vertraut gemacht, weil sie für die Berufsausübung unentbehrlich ist.

Neuerdings ist auch die Erstellung von Punktschriftunterlagen über einen Computer mittels eines Punktschriftdruckers möglich.

Auch in unserer Gemeinschaft wird Selbsthilfe geleistet. Vereinsmitglieder, die die Blindenschrift lesen und schreiben können, sind bereit, den Neuerblindeten beim Erlernen durch Einzelunterricht oder Unterricht in Gruppen zu helfen.

In Seminaren, die vom Blinden- und Sehbehindertenverein Ratingen von Fall zu Fall durchgeführt werden, können die erworbenen Fähigkeiten vertieft und das Wissen auf dem neuesten Stand gehalten werden.

Zurück zur Informationsübersicht